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Szenisches Verstehen

Eine Szene ist laut Duden (1985) einerseits „ein kurzer, abgeschlossener, besonders durch das Auf- und Abtreten von Personen begrenzter Teil eines Theaterstückes, Filmes o.ä.”, andererseits „ein Vorgang, Anblick, der jemandem bemerkenswert oder eigenartig erscheint”.

Im Kontext der Supervision stellen sich bezogen auf Szenen Fragen wie: Welch einen Anblick bietet die Organisation, in die ich zur Supervision komme? Welchen das Zimmer, in dem z.B. der Erstkontakt mit der Einzelperson, dem Team stattfindet? Und schließlich: welchen (szenischen) Konstellationen begegne ich, wenn ich das Zimmer betrete? Wer sitzt neben wem, wer kommt später (Einzelauftritt)?

Dies sind szenische Eindrücke, die neugierig auf in diesem Kontext stattfindende Handlungen, Beziehungen und Entwicklungen machen, aber auch eine bestimmte Atmosphäre vermitteln, die sich auf SupervisorInnen wie SupervisandInnen auswirken. Schließlich ist es für letztere eine interessante szenische Erfahrung, wie SupervisorInnen sich in dieser Welt, in dieser institutionellen Szene bewegen, auf sie reagieren. Für SupervisorInnen gilt es im jeweiligen Supervisionsprozess zu überprüfen, ob die eigenen Eindrücke, also das erste szenische Verstehen, sich bestätigt.

Ein zweiter Aspekt: Eine Szene ist „ein Vorgang der jemandem bemerkenswert oder eigenartig erscheint” (ebd.) – wobei „eigenartig” in diesem Zusammenhang meinerseits im Sinne von „speziell” verstanden wird. Und damit sind wir bei den Vorgängen bzw. Abläufen (verbal, nonverbal, bezogen auf die Arbeit, die kollegialen Beziehungen etc.), die – szenisch verstanden – die Dramaturgie des jeweiligen Arbeitsalltags darstellen, jedoch im weiteren Verlauf zu hinterfragen sind. Die Erfahrung zeigt, dass das persönliche szenische Verstehen wie auch das Verdeutlichen durch szenische Beispiele einen Klärungs- bzw. Denk- und Veränderungsprozess einleiten kann.

So führt Bernd Oberhoff (1996) aus: „Supervision arbeitet in der Regel mit dem verbal vorgetragenen Material des Supervisanden. Das sind Ereignisse, Szenen, Gedanken, Handlungen, Absichten etc., deren Sinnzusammenhang und Realitätsangemessenheit der Supervisor zusammen mit dem Supervisanden zu ergründen versucht” (S. 79). Alfred Lorenzer (2002), der das psychoanalytische szenische Verstehen erforscht hat, definiert wie folgt: „Das wichtigste Instrument der psychoanalytischen Untersuchung ist das szenische Verstehen als Verstehen von Lebenssituationen, von Szenen des menschlichen Alltags” (S. 64). In beiden Fällen – der Supervision wie der Psychotherapie – ist also das wache Wahrnehmen von Szenen und das damit verbundene szenische Verstehen ein wesentliches Element für Diagnostik sowie für inhalts- und personenbezogene Reflexions- und Entwicklungsprozesse.

Duden (1985): Das Bedeutungswörterbuch, Band 10. Mannheim/Wien/Zürich: Dudenverlag, S. 628.
Lorenzer, A. (2002): Die Sprache, der Sinn, das Unbewusste: Psychoanalytisches Grundverständnis und Neurowissenschaften. In: Prokop, U. (Hrsg.), Stuttgart: Klett-Cotta
Oberhoff, B. (1996): Szenisches Verstehen in der institutionellen Supervision. In: Pühl, H. (Hrsg.), Supervision in Institutionen. Eine Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag

Vera Albert

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